Die Burgruine

 

Der nördliche

Elsass

Der nördliche Elsass

 Routenverlauf im nördlichen Elsass

Nachdem wir uns gestern den ganzen Tag in Straßburg aufgehalten haben, sehnen wir uns wieder nach Landschaft und Beschaulichkeit. Zunächst wollen wir das Fort Kleber aufsuchen, welches etwas außerhalb von Straßburg liegt. Es ist eine der zahlreichen Festungen, die von den deutschen Besatzern Ende des 19. Jahrhunderts rund um die Stadt angelegt wurde und mittlerweile von der Natur zum Teil überwuchert ist. Fotographisch bestimmt nicht uninteres- sant! Doch leider ist das Fort Kleber mittlerweile privatisiert worden, und wir stehen vor ge- schlossenen Toren. Deshalb setzen wir unsere Reise Richtung Osten weiter fort. Unser näch- stes Ziel sind die Cascades du Nideck. Ein Sträßchen schlängelt sich anmutig durch eine wald-

reiche Landschaft. An einem Forsthaus steuern wir den Parkplatz an, denn ab hier führt ein Pfad zu den Wasserfällen und danach weiter zu der Burgruine Nideck. Unser Weg windet sich durch ein schluchtarti-

 Malerisch sind die Cascades du Nideck

 Schluchtartig ist das Tal unterhalb der Burg Nideck.

ges Nebental. Fast am Ende angelangt hören wir auch schon das laute Tosen von Wasser. Aus fast 25 Meter Höhe stürzt es in die Tiefe. Toll! An heißen Sommertagen kann man sich unter den Wasserfall stellen, um sich zu erfrischen. Doch nicht heute, denn es ist kalt und regnerisch. Dementsprechend vorsichtig müssen wir auch bei dem nächsten Streckenabschnitt sein, denn nun geht es sehr steil im Zickzackkurs über Geröll, glitschigen Steinen und Wurzeln nach oben.

Doch die Mühe lohnt sich, denn von der Burgruine Nideck haben wir eine phantasti- sche Aussicht auf das Tal, wo wir herge- kommen waren. Wir wandern den gleichen Weg wieder zurück und erreichen unser trautes Wohnmobil. Zeit für eine Kaffee- pause! Auf dem Weg nach Lutzelbourg, wo wir übernachten wollen, gibt es noch zwei andere Sehenswürdigkeiten, die von uns entdeckt werden wollen. Da wäre zum Bei- spiel die “Leokapelle” auf dem Rocher de Dabo, die weniger durch ihr Aussehen als durch ihre imposante Lage auf einem mäch- tigen Felsen besticht. Die Aussicht von hier oben in die Umgebung wird in den Reisefüh- rern als “unbeschreiblich” gepriesen. Leider ist es heute diesig und eine tolle Fernsicht wird uns somit verwehrt. Schade! Wir steu- ern unser nächstes Ziel an, nämlich das

Die “Leokapelle” auf dem Rocher de Dabo.

Schiffshebewerk am Rhein-Marne-Kanal. Dieses technische Anlage, so liest man, ist einma- lig in Europa. Ich behaupte mal, daß es eine ähnliche Anlage auch in Polen gibt. Aber nichts desto Trotz, es handelt sich hierbei um eine Attraktion erster Güte. Denn durch das 1969 erbaute Schiffshebewerk wurden 17 Schleusen auf dem Kanal eingespart, zu deren Durch- fahrt die Schiffe einen ganzen Tag benötigt hatten. Stattdessen werden die Kähne inner- halb von 10 Minuten auf einer schrägen Ebene in einem schleusenartigen Behälter quer zum Hang auf Schienen nach oben gezogen. Das Ganze sieht spektakulär aus und zieht Touri-

sten und Reisebusse scharenweise an. In die- sem Fall kommt uns das schlechte Wetter zu Gu- te, denn es hält heute viele schaulustige Men- schen ab. Aber nicht uns!  Wir entscheiden uns für eine Bootsrundfahrt. Da- bei lassen wir uns einmal absenken und nach kur- zer Kanalfahrt die circa 50 Höhenmeter wieder nach oben befördern. Am Schluß steht noch eine in- terne Besichtigung des

Schiffshebewerk auf dem Programm. In der Turbinen- halle wird uns das technische Prinzip dieser Anlage er- läutert. Leider nur auf Französisch! Mit dem Gefühl, heute viel erlebt zu haben, erreichen wir den kleinen

Das Schiffshebewerk bei Lutzelbourg ersetzt circa 

 17 Schleusen auf dem Kanal.

Hafen von Lutzelbourg. Und genau hier gibt es einen wunderschönen kleinen Stellplatz für unser Womo direkt am Wasser. Am Abend erle- ben wir bei einem Weinbrand den Flair von Hafenromantik, und das völlig umsonst. Der nächste Tag beginnt mit Baguette, Käse und dampfendem Kaffee. Vor mir aus- gebreitet liegt die Karte, und ich zeichne sorgfältig darauf unsere Route für die nächsten Tage. Dem- nach sind unser nächsten Ziele die Kleinstadt Saverne und die nah ge- legende  Burgruine Haut-Barr. Die am Fuße der Nordvogesen liegende Stadt Saverne hatte Jahrhunderte lang eine erhebliche strategische Bedeutung. So ist es auch nicht ver-

Wunderschön ist der Womo-Stellplatz am Kanal. 

verwunderlich, daß wir irgendwann vor einem mächtigen Schloß stehen. Es ist das Chateau des Rohan. Dieses aus demrotem Vogesensandstein gebaute Schloß im klassizistischen Stil wird auch das “Elsässische Versailles” genannt, und es ist eigentlich für eine Kleinstadt wie Saverne zwei Nummern zu groß. Wir schlendern über die Grande Rue. Hier befinden sich der Marktplatz und die zugleich schönsten Häuser. Am auffäl-  ligsten hierbei ist das “Maison de Katz”, ein Fachwerkhaus mit sehr ausgeprägten Verzie- rungen. Der quer durch die Stadt verlaufende Rhein-Marne-Kanal rundet den Gesamteindruck dieser Stadt angenehm ab. Es geht weiter, und unser Büschen schlängelt sich die Serpentinen hoch bis zu der Burgruine Haut-Barr. Sie gehört mit zu den imposantesten Burgen im Elsass. Ei- ne ausführliche Zeichnung von der Burg, wie sie 

Schöne Verzierungen am Maison de Katz.

Burgen im Elsass.

Die Burgruine

Haut-Barr gehört mit

zu den imposantesten

Heute

Damals

damals ausgesehen hat, dazu eine Beschreibung und einige geschichtliche Eckdaten auf Deutsch fin- den wir auf einer Tafel im Eingangsbereich vor. Ein leichter Wind pfeift uns um die Ohren, als wir die verschiedenen Bereiche der Burgruine

erklimmen, die auf drei mächti- gen Felsen errichtet wurde.

Dabei genießen wir die

tolle Sicht auf

die Klein-

Tolle Panoramablicke in alle Richtungen

und anschließend ein kühles Bier

unter Kastanienbäumen ...

stadt Saverne

und ihre Umgebung

inklusive dem Rhein-Marne

Kanal, wo wir übernachtet hatten.

Am Fuße des Burgrestaurants, einem sehr

schönen Fachwerkhaus, liegt ein Biergarten unter

ehrwürdigen Katanienbäumen. Hier trinken wir noch genüßlich ein kühles Bier, bevor wir unsere Rei- se weiter fortsetzen. Die Landschaft am Fuße der Nordvogesen sah von der Burg so schön aus, daß

wir spontan beschließen, hier eine kleine zusätzliche Rundtour auf den Nebenstraßen zu unternehmen, bevor wir wieder Kurs auf’s Mittelgebirge nehmen. Unser nächster Zwischenstop gilt den Höhlenwoh- nungen von Graufthal. In einem Felsmassiv einge-

Die Höhlenwohnungen von Graufthal.

Idyllisch schön gelegen! Das kleine Dorf Graufthal. 

lassen liegen sie vor uns. Besonders schön finde ich den Kontrast zwischen dem leuch- tenden Blau der Hausfassade, welches im  Dachbereich überlappt wird von dem Rot der massiven Felswand aus Buntsandstein. Man kann diese Wohnungen, die bis 1958 noch bewohnt wurden, auch besichtigen. Doch darauf verzichten wir, denn wir ha-

ben heute noch Einiges vor. Über einsame Waldsträßchen, die ein Erlebnis für sich sind, tasten wir uns weiter vor bis zu der 650 Seelengemeinde La Petit Pierre. Idyllisch liegt dieser kleine mittelalter- liche Ort auf einem Bergkamm. Am Ende auf einem Felssporn liegt die Burg von La Petit Pierre. Wir unternehmen einen Streifzug durch die Gassen dieses so friedlichen Ortes und statten der Burg ein-

La Petit Pierre

Mittelalterlich ist der Ortskern.

Die Burg von La Petit Pierre.

Idyllisch auf einem Bergkamm liegt La Petit Pierre.

was oberhalb gelegen. Auf einer alten Bank genießen wir den malerischen Blick auf den Ort mit sei- ner imposanten Burg. Romantik pur! Ich könnte mir vorstellen, mit einer Staffelei hier zu sitzen, um zu malen. Tagelang, begleitet von dem Zwitschern der vielen Singvögel, die sich in den Obstbäumen der Schrebergärten aufhalten. Gemächlich schlendern wir wieder zu unserem Wohnmobil zurück ... Unser nächstes Ziel ist der Ort Bouxwiller, wo die Zeit stehen geblieben sein soll. Ein kleines Land- sträßchen, welches sich munter an bewaldeten Berghängen entlangschlängelt, führt uns hierhin. Als wir uns dem ursprünglichen Ortskern nähern, bemerken wir, daß viele der alten Häuser nicht mehr

en Besuch ab. Dies alles ist schnell pas- siert. Deswegen machen wir noch einen kleinen Spaziergang zu den Wiesen, et-


Viele Fachwerkhäuser sind nicht mehr bewohnt und verfallen.

Vom Zerfall bedroht ist der alte Ortskern von Bouxwiller.

bewohnt sind und allmählich verfallen. Eine alte Frau schlurft an den verwitterten Häuserzeilen entlang, und ich finde, daß sie irgendwie hierhin passt. Teilweise sind die Fachwerkhäuser total verfallen und die Natur hat sich ihren Platz zwischen den Ruinen zurückerobert. Zwischen den krummen und schiefen Häusern stehen einige Obstbäume, in denen sich Singvögel aufhalten. Ein Moped knattert laut, und dann ist es wieder ruhig. Mir gefällt dieser Ort. Er hat seinen ganz eigenen

Charme, und in der Tat, mir scheint es, als wenn die Zeit hier stehen geblieben ist. Zurück in die Ge- genwart! Wir sind wieder auf der Straße und be- wegen uns nach Norden. Die Gegend in der Nähe von Deutschland ist recht einsam und vor allem sehr waldreich. Kurz vor Niedersteinbach steuern wir unser Womo auf einen Parkplatz an dessen Seite frisch gefällte Bäume übereinander gestapelt worden sind. Als wir dann später bei Kerzenlicht einen Schlummertrunk zu uns nehmen,  öffne ich noch einmal das Fenster unseres Busses und atme tief den harzigen Duft von frisch gefälltem Holz ein.

Felsformation aus Buntsandstein.

Über Stock und Stein geht es hoch zu den Burgruinen.

Auf einem Fels thront Burg Fleckenstein.

Einsam ist es auf der Burg Löwenstein.

Am nächsten Tag wollen wir einige Burgen besu- chen. Kein Wunder, denn hier in den Nordvogesen, im Grenzgebiet zu Deutschland ,wimmelt es nur so von alten Burgruinen auf bizarren Buntsandstein- felsen. Das beste Beispiel hierfür ist die Burgruine Fleckenstein, eine der spektakulärsten Anlagen im Elsass. Sie wurde auf einem 43 Meter hohen, 52 Meter langen, aber nur 8 Meter breiten Felsockel errichtet. Eine Besichtigung kostet Eintritt, lohnt  sich aber auf jeden Fall, denn über eine Sprechan-

lage, die an den verschiedenen Statio- nen unseres Rundgangs angebracht worden ist, erfahren wir Einiges über die Geschichte dieser Burg und den Menschen, die hier lebten. Fantas- tisch ist auch die Lage der Burg in- mitten herrlicher Streuobstwiesen.     Umrahmt ist alles von dicht bewal-   deten Bergen und leuchtend ro-         ten Felsen aus Buntsandstein,            die vereinzelt zwischen grünen Baumwipfeln hervorluken. Ein                 schmaler Pfad schraubt sich               

steil den Berg hinauf und führt uns zu einer besonders bizarren Felsformation, die an ei- nen Kegel erinnert. Weiter geht es zwischen gigantischen, roten Felsen, sowie über Stock und Stein bis wir eine andere, viel kleinere Burgruine erreichen. Es ist die Burg Löwenstein. Die Aussicht von hier ist atemberaubend, und uns wird vor allem noch einmal bewußt, wie waldreich, bergig und einsam dieser Landstrich ist. Zwischen hohen Tannen schimmert    das rote Gestein der Hohenburg, keine 10 Minuten entfernt. Als wir uns wieder auf dem

Rückweg befinden, fühle ich noch immer jene besondere Atmosphäre, die hier oben in den Höhen herrscht, zwischen altem Gemäuer und pfeifendem Wind.

Wir fahren weiter durch eine anmutige Landschaft und natürlich nur über Nebenstrecken. Das macht den Reiz des Erlebens aus, wenn man dies aus der Perspektive des Wohnmobils sagen darf. Des Öfteren liegen links und rechts von uns herrliche Obstbaumwiesen. Im späten Früh- jahr, in der Zeit der Blüte, muß es hier besonders schön sein. In Climbach, einem verschlafen- en Dorf führt uns ein unasphaltierter Feldweg zu der Kapellenruine bei der Climbronn- Quelle. Die beschauliche Wiese davor verleitet uns dazu, Tisch und Stühle herauszuholen, um ein we-

nig Zeit zu vertrödeln und da- bei Kaffee zu trinken. Idyllisch liegt vor uns das Dorf in einer Senke. Wenn es nicht noch so früh am Nachmittag wäre, hät- ten wir auch hier übernachten können. Ein toller Platz! So a- ber gondeln wir weiter durch die Gegend und durchqueren das Rheintal in östliche Rich-

tung, Folglicherweise stoßen wir auch irgend- wann auf den Rhein. Und genau hier gibt es einen tollen Stellplatz in der Nähe von Seitz, da wo die Fähre über den Strom führt. Keine Frage, daß wir hier für heute Nacht bleiben werden, den Grill auspacken, eine Flasche Rotwein entjungfern und uns dabei die vor- bei tuckernden Schiffe ansehen...                    Bevor wir am nächsten Tag die Grenze nach Deutschland überqueren, besuchen wir noch

Idyllisch in einer Senke liegt Climbach.

 Stellplatz direkt am Rhein.

die Dörfer Hunsbach und Seebach, denn sie gehören laut Reiseführer mit zu den schönsten in Frankreich. Auch hier sind so ähnlich wie in Bouxwiller viele der Häuser verlassen, und es ist

nur eine Frage der Zeit, bis das Gesamtbild solcher Dörfer zer- stört sein wird. Die Fachwerk- häuser, viele komplett erhalte- ne Bauernhöfe gibt es darun- ter, heben sich vor Allem durch die kleinen Ziegelvordächer hervor. Besonders schön muß das Fachwerk im Sommer aus- sehen, wenn üppige Geranien die Hausfassaden zusätzlich schmücken. Aber auch ohne Blumenpracht wirken diese stil- echten Häuser ganz für sich. Wir passieren nun das sehr se- henswerte Städtchen Wissem- bourg, ein echtes Kleinod im

 Schöne Fachwerkbauten im Dorf Seebach. 

 Malerisches Wissembourg. 

Nordelsass. Doch auf einen Besuch verzichten wir diesmal, weil wir schon zweimal hier waren.  Bilder hiervon gibt es im Bericht von der Deut- schen Weinstraße unter Wissembourg zu sehen. Bevor wir nun endgültig Frankreich verlassen, decken wir uns in einem der Supermärkte noch einmal mit Baguette und den unterschiedlich- sten Weichkäsesorten ein. Wein brauchen wir nicht zu kaufen, denn auf uns warten die Win- zer auf der Deutschen Weinstraße, die wir in den nächsten Tagen noch beehren werden.    Der Grenzübergang rückt nun immer näher,   und nicht zuletzt mit etwas Wehmut überfliege ich  noch einmal in Gedanken die vielen unter- schiedlichen Stationen, die wir im Elsass ansteu- erten. Erlebnisse und Eindrücke , die unseren Aufenthalt hier zu einem unvergesslichen Urlaub gemacht haben ...